buch.JUGEND — 16.03.2012 10:29


von Anchalee Rüland
Leipziger Lesekompass zeigt, wo’s lang geht

8000 Neuerscheinungen fluten jedes Jahr den Markt der Jugendliteratur. Da den Überblick zu behalten, ist eine echte Herausforderung. Um im Bücherwald die Orientierung nicht zu verlieren, riefen die Verantwortlichen der Leipziger Buchmesse und die Stiftung Lesen den „Leipziger Lesekompass“ ins Leben.

Zum ersten Mal wurden in diesem Jahr auf der Buchmesse 30 Buchempfehlungen für die Altergruppe 2 bis 14 vergeben. Ein Team von jugendlichen Lesescouts und Bildungsexperten bildete die Jury. Als Lesescout hat sich die vierzehnjährige Schülerin Kathleen Stemmler ein Buch ausgesucht und bewertet. Sie ist eine echte Leseratte, weiß aber, dass nicht alle Jugendlichen so gerne in Büchern schmökern wie sie: „Wir haben nur Bücher ausgesucht, die uns gefallen. Vielleicht hilft das Kindern, die sonst nicht lesen.“

Die Lesescouts haben alle Bücher gelesen und bewertet

Mit dem Leipziger Lesekompass startet ein Langzeitprojekt, dass bei jungen Lesern für die Lesefreude werben soll: „Es ist wichtig, eine Buchgewöhnung gegen die Buchentwöhnung zu betreiben“, betont Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse. Denn Erhebungen wie die Pisa-Studie zeigen, dass nur jeder fünfte Schüler in Deutschland regelmäßig ein Buch liest.

Lehrer Arne Ulbricht kennt das Problem: „Viele Schüler haben einfach keinen Bock mehr zu lesen. Der Lesekompass ist eine große Chance, Schüler an spannende und neue Bücher heranzuführen.“ Er kann sich vorstellen, die Bücher in seinen Unterricht zu integrieren, indem er seine Schüler Referate zu einzelnen Werken halten lässt. Ideen und Anregungen für den Unterricht gibt es auch von der Stiftung Lesen, die pädagogische Materialien für den Unterricht erarbeitet hat.

Renate Reichstein stellt die Bücher in der Kategorie 2 bis 6 Jahre vor

Der selbst ernannte Vorlese-Aktivist Ulbricht ist vor allem aus einem Grund vom Lesekompass überzeugt: „Ich habe meinem Sohn tausende Seiten aus Klassikern vorgelesen – Astrid Lindgren und Co. Es ist schön zu sehen, was es Spannendes an Neuerscheinungen gibt, die ich im Bücherladen nie rausgegriffen hätte, weil mich vielleicht das Cover nicht anspricht.“

Der Lehrer sieht allerdings zwei Probleme: „Wir können nicht für jeden Schüler Hardcoverbücher anschaffen.“ Und: Titel mit 400 Seiten und mehr seien für den Unterricht ungeeignet.

Die Ziele bleiben aber klar. Kinder und Jugendliche müssen auf vielfältige Weise an das Lesen herangeführt und neue Angebote  geschaffen werden. Und zwar solche, die ihnen und nicht nur den Eltern oder Lehrern gefallen.

Die empfohlenen Titel gibt es hier:

http://www.leipziger-buchmesse.de/lesekompass/

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