buch.MACHER — 17.03.2012 16:20


von Tobias Fülbeck & Susanna Zdrzalek
Kracht und die Literaturkritiker

Kracht und die Literaturkritik – Wie sich die Wörter aus Krachts “Imperium” von denen der medialen Rezeption unterscheiden. Ein Experiment.

Die Debatte um den Bestseller-Autor Christian Kracht und sein Buch “Imperium” beschäftigt die Feuilletons deutscher Zeitungen enorm. Ausgelöst worden ist die Debatte durch den Spiegel-Artikel “Die Methode Kracht” von dem Journalisten Georg Diez. Er ist bei seiner These, Kracht sei ein “Türsteher der rechten Gedanken” (Spiegel 7/2012, S. 103), vor allem auf frühere Werke des Autors eingegangen. Aber im Vorspann schrieb er: “Sein neuer Roman ‘Imperium” zeigt vor allem die Nähe des Autors zu rechtem Gedankgengut.” Das bleibt hängen. Und füllte ganzseitig die Feuilletons. Auch buchmessies.de widmete sich in einigen Beiträgen dem vermeintlichen Skandalautor. Weil eine Berichterstattung über die Leipziger Buchmesse ohne Christian Kracht unvollständig wäre.

Die erste “Wörterwolke” zeigt die am häufigsten benutzten Wörter von 24 zufällig ausgewählten Seiten aus “Imperium”. Die zweite “Wörterwolke” zeigt die Rezeption des Buches auf den Kulturseiten deutscher Tageszeitungen und Magazinen, ausgewählt sind hier: Zeitmagazin, 01.03.2012; Die Welt 03.03.2012, S. 2;  Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2012, S. 33; Spiegel Online, 16.03.2012Spiegel Online, 15.03.2012Spiegel Online, 08.03.2012; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2012, S. 35; Der Spiegel 07/2012, S. 100 – 103; Der Tagesspiegel 17.03.2012, S. 5; taz, 17.03.2012, S. 16.

Klar, die Auswahl der erfassten Buchseiten und Artikel ist zufällig, keineswegs wissenschaftlich, sie ist geradezu strotzend von Beliebigkeit. Aber die Auswahl zeigt: “Imperium” ist kein Sammelsurium von schwierigen, politisch belasteten Wörtern. Das war der Eindruck einiger Besucher bei der Lesung von Kracht in Leipzig. Und ein zweites interessantes Ergebnis zeigt die “schwarze Wolke”: Journalisten nutzten den Namen Hitler häufig im Zusammenhang mit Texten über Krachts neuen Roman. Ob das angebracht ist, darüber mag sich jeder Leser selbst sein Urteil bilden. Noch etwas ganz Wichtiges fällt auf beim Vergleich der beiden Wolken. Im Roman geht es um die Hauptfigur Engelhardt, den Vegetarier und Nudisten. In der Medien-Rezeption geht es um Christian Kracht und viel zu wenig um Engelhardt. Engelhardt gleich Kracht – so scheint die einfache Formel der Medien zu sein.

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